
Der Weinbau im Kreis Tübingen
Der Weinbau hat im Kreis Tübingen eine lange Tradition: Er wurde in dieser Gegend bereits im 12. Jahrhundert nachgewiesen. Die größte Bedeutung erlangte der Weinbau hier zwischen dem 14. und frühen 17. Jahrhundert mit einer Ausdehnung von 600 Hektar. Heute bestehen im Kreis Tübingen zirka 200 Hektar an Flächen, die für den Weinbau geeignet sind, und die in den örtlichen Rebenaufbauplänen ausgewiesen sind. Tatsächlich mit Reben bestockt im Kreis sind derzeit nur rund 35 Hektar, verteilt auf acht Gemarkungen.
Die Schwerpunkte des Weinbaus in der Region finden sich in Tübingen und in den Stadtteilen Hirschau und Unterjesingen, in Rottenburg am Neckar und in den Teilorten Wendelsheim und Wurmlingen sowie in den Ammerbucher Teilorten Entringen, Pfäffingen und Breitenholz. Besonders ist, dass die Weinberge vor allem durch kleinteilige, terrassierte Steillagen geprägt sind. Betrieben werden die hiesigen Rebflächen größtenteils als privates Hobby oder auch im Nebenerwerb. Hauptberuflich tätige Weingärtner gibt es im Kreis Tübingen nur sehr wenige.
Der Weinbau in Rottenburg und Wendelsheim
In Rottenburg am Neckar reicht der Weinbau bis in das 13. Jahrhundert zurück. 1401 wurde von der österreichischen Landesherrschaft die St. Urbansbruderschaft aus 24 Brüdern als Aufsichtsorgan für den Weinbau eingesetzt, seit dem 19. Jahrhundert bewirtschaftet sie einen Weinberg in der Reblage Ehehalde. Im Jahr 1425 erbrachten die hiesigen Weinberge einen Ertrag von rund 710000 Litern Wein, wodurch über die Hälfte der Rottenburger direkt oder indirekt vom Weinbau leben konnten. Bis zum 16. Jahrhundert wurde der Wein in über 90 Orte exportiert, darunter auch an den Kaiserhof in Wien.
Auch im heutigen Teilort Wendesheim hat der Weinbau eine lange Tradition: Seit dem 14. Jahrhundert wird der Wein hier angebaut. Noch heute findet sich aus den Ortschildern geschrieben: „Stein und Wein – Weintor unserer Stadt“.
