Pflanzenschutz in der Hoch-Saison

Eine wichtige Arbeit ist für uns der Pflanzenschutz – unabhängig davon, ob der Weinbau konventionell oder ökologisch erfolgt: In der Hoch-Saison, also in der Hauptvegetationszeit von Mitte Mai bis Anfang August, geht es im Durchschnitt alle zehn bis zwölf Tage raus in die Weinberge. Der echte und der falsche Mehltau sind die klassischen Krankheiten, die unsere Ernte am stärksten bedrohen. Und wenn ein Pilz einmal in den Rebstöcken steckt, wird die Behandlung aufwendiger. Deshalb ist es unsere Devise, für einen gesunden Weinberg immer vorbeugend zu handeln.

Ein wichtiges Thema ist der Integrierte Pflanzenschutz (IPS). Bei dieser Anbaustrategie der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln (PSM) auf das notwendige Minimum beschränkt. Ein guter Ansatz ist es, rein auf Fungizide gegen Pilze respektive auf natürliche Mittel wie Schwefel (wie im ökologischen Weinbau verwendet) zu setzen. Mittel zur Stärkung der Pflanzen können unterstützen. Auf PSM wie Herbizide, Insektizide, Molluskizide oder Rodentizide wird, wo immer es geht, verzichtet. Stattdessen ist es sinnvoll, auf Maßnahmen zu setzen, welche die natürlichen Regelmechanismen der Natur fördern.

Auch auf natürliche Weise kann ein Weinberg bewirtschaftet werden: zum Beispiel mit Schafen.

Exkurs: Die Kirschessigfliege

Neben dem falschen und dem echten Mehltau gibt es weitere Schädlinge, die unsere Ernte bedrohen, darunter die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii). Erstmals wurde sie im Jahr 2011 in Deutschland entdeckt. Die Fliege sticht die reifen Weinbeeren an und legt dann ihre Eier ab. Innerhalb von acht Tagen schlüpfen die Würmer und der Kreislauf geht weiter. Die befallenen Trauben können nicht verarbeitet werden und müssen herausgelesen werden. Eine vorbeugende Behandlung ist zum Beispiel mit Kalk aus Porzellanerde möglich. Mit dem Sprühgerät ausgebracht erzeugt dieser einen weißen Belag, der die Fliegen vergrämt.

Wetterdaten zur Unterstützung

Zur Unterstützung im Pflanzenschutz setzen wir auf klimatische Wetterdaten aus der näheren Umgebung: Im Tübinger Stadtteil Unterjesingen wurde im Jahr 2013 eine Wetterstation in Betrieb genommen, die uns bei der Entscheidung, ob aktuell eine Behandlung im Pflanzenschutz notwendig ist oder nicht, erleichtert. Die Daten der Wetterstation werden über das Prognosesystem VitiMeteo , dass vom Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg entwickelt und betrieben wird, bereitgestellt – unter anderem mit Informationen zum Risiko des Befalls durch den echten und falschen Mehltau.

Notwendig: Sachkundenachweis

Um die Pflanzenschutzmaßnahmen durchführen zu können, sollte spätestens bei der Übernahme eines freien Weinbergs der Sachkundenachweis Pflanzenschutz erworben werden. Dieser berechtigt in Deutschland zum Erwerb und Ausbringen der Pflanzenschutzmittel, vermittelt aber auch viele wichtige Grundlagen für den Weinbau im Allgemeinen. Ein Kurs in Theorie und Praxis wird in der Regel im Frühjahr vom Landratsamt Tübingen in der Abteilung Landwirtschaft angeboten. Zudem besteht eine Fortbildungspflicht: Jeweils alle drei Jahre müssen vier Stunden an Fortbildung nachgewiesen werden.

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