Anbaugebiet Württemberg und Neckar-Alb

Die Weinberge im Landkreis Tübingen sind Teil des größeren Weinanbaugebiets „Württemberg“, das vor allem im Tal des Neckars und seinen Zuflüssen in Baden-Württemberg liegt. Zusammen mit den Rebflächen im benachbarten Kreis Reutlingen wurden die hiesigen Weinberge viele Jahr zu dem darunter liegenden Anbaugebiet „Oberer Neckar“ zusammengefasst – das kleinste Anbaugebiet in Baden-Württemberg und historisch wie klimatisch ein Grenzgebiet für den Weinbau. Zum 1. August 2025 wurde diesem Gebiet die Großlage (GL) Hohenneuffen zugeordnet, das Anbaugebiet heißt nun „Neckar-Alb“.

Einzellage Rottenburg am Neckar

Unter der Einzellage versteht man die genau definierte, abgegrenzte Rebfläche als kleinste Einheit zur Bestimmung der Herkunft von Weinen. Eingetragen sind diese Einzellagen in der sogenannten Weinbergsrolle – dem Verzeichnis für die engeren geographischen Herkunftsbezeichnungen. Die Stadt Tübingen und ihre Stadteile Hirschau und Unterjesingen verwenden die Einzellagenbezeichnung „Sonnenhalden“. In der Gemeinde Ammerbuch verwendet Breitenholz die Bezeichnung „Hinterhalde“ und Entringen die Bezeichnung „Pfaffenberg“.

Die Einzellagen unseres Vereins liegen hingegen in der Kernstadt Rottenburg am Neckar sowie in den zugehörigen Teilorten Wendelsheim und Wurmlingen. Gemeinsam treten wir unter der Bezeichnung „Kapellenberg“ auf – namentlich eine Referenz an die Wurmlinger Kapelle.

Einzellage Kapellenberg im Anbaugebiet Neckar-Alb (Weinanbaugebiet Württemberg)

Viele, kleine Flächen

In unseren Einzellagen bewirtschaften die Mitglieder unseres Vereins in Summe ungefähr 6 Hektar Fläche, davon 2 Hektar in der Kernstadt Rottenburg am Neckar und über 4 Hektar im Teilort Wendelsheim. Dabei ist der Flickenteppich bei uns gewissermaßen noch Standard: In aller Regel sind die einzelnen Weinberge in den Steillagen nur 5 bis 10 Ar – also zwischen 500 und 1000 Quadratmetern – groß. Das sind überschaubare Größen, die allein oder in der Gemeinschaft in Hinblick auf den Zeitaufwand jedoch umso besser bewirtschaftet werden können.

Am bekanntesten ist die Ehehalde im Weggental in der Kernstadt Rottenburg am Neckar, einem beliebten Ausflugsziel im Grünen zu Fuße der Wallfahrtskirche zur Schmerzhaften Mutter Gottes. Weitere Weinberge finden sich im Martinsberg, der auch zu Wanderungen durch das Landschaftsschutzgebiet Rammert einlädt. Auch in der Neckarhalde und etwas außerhalb bei der Bronnmühle finden sich Weinberge. Die Weinberge in Wendelsheim befinden sich in der Halde am Südhang des Pfaffenberg, der zum Besuch des Märchensee und des ehemaligen Steinbruchs einlädt.

Muschelkalk und Kalkböden

Die hiesige Geologie ist von den Schichten des Muschelkalks und des Gipskeupers geprägt. Tief in den Muschelkalk eingeschnitten hat sich der Neckar und hier ein enges und bewaldetes Tal geschaffen. Die Kalkböden des Muschelkalks sind trocken, felsig und bieten eine gute Drainage und Mineralität. Dies trägt im Wein zu einer ausgewogenen Säurestruktur mit feinen Säuren bei und fördert eine ausgeprägte Mineralität – was sich in Noten von Steinobst und Honig im Wein äußern kann. Die Keuper-Böden wiederum speichern Wärme und Feuchtigkeit und sind oft tonhaltiger und reich an Nährstoffen.

Die Steillage prägt die Landschaft im hiesigen Weinbau.

Steillagen und Trockenmauern

Besonders ist, dass der hiesige Weinbau vor allem von der Steillage geprägt ist. Diese Sonderform erfordert – gegenüber der Arbeit in ebenen Weingütern – einen höheren Arbeitsaufwand und ist daher zeitintensiver: Zum Beispiel ist eine maschinelle Bearbeitung der Rebstöcke so gut wie nicht möglich. An vielen Hängen entdeckt man überdies noch alte Trockenmauern, welche zusammen mit den Steintreppen die Terrassen für die Rebstöcke bilden. Das bedeutet für uns Weingärtner, dass wir nicht nur unsere Weinberge, sondern auch die für unsere Gegend typische Kulturlandschaft erhalten.

Deine Chance auf den eigenen Weinberg

Du hast Lust auf den eigenen Weinberg oder die Mitarbeit bekommen? Anlegen darfst du ihn leider nicht einfach so: Einzelne Flurstücke dürfen nur neu angelegt oder auch wieder bestockt werden, wenn sie im sogenannten Rebenaufbauplan enthalten sind. Neuanlagen sind grundsätzlich nur über den Erwerb eines Pflanzrecht erlaubt. Auf der anderen Seite stehen bereits angelegte Flurstücke leider immer wieder vor der Verwaisung und Verbuschung und warten auf eine Übernahme durch die nächste Generation: Umso mehr eine Chance und eine Einladung, dir den eigenen Weinberg ohne großen Aufwand zu sichern!

Die Seele baumeln lassen

Die Arbeit im Weinberg und an den Rebstöcken – von Stock zu Stock und von Spalier zu Spalier – erzeugt meditative Momente. Vor allem in der Gemeinschaft erlebst Du dabei, wie die Summe kleinteiliger Schnitte den Weinberg im Laufe des Jahres zu einer neuen Größe führen.

Deine Chance auf einen Weinberg oder die Mitarbeit!

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Die Weinbau-Region

Der Weinbau hat im Kreis Tübingen eine lange Tradition: Er wurde hier bereits im 12. Jahrhundert nachgewiesen. Die größte Bedeutung erlangte der Weinbau zwischen dem 14. und frühen 17. Jahrhundert.
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Unsere Rebsorten

Traditionell in den Weinbergen verbreitet sind die Rebsorten Müller-Thurgau, Kerner, Riesling, Silvaner, Schwarzrießling, Spätburgunder, Lemberger und Portugieser.
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Qualitätsarbeit

Die meisten hiesigen Weingärtner arbeiten zwischenzeitlich mit einem Weinlabor in der Region zusammen, in dem die Moste und Weine untersucht werden.
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